Kinder des Zorns

Zwei Abstammungen – und der neue Mensch in Christus

Die Bibel zeichnet ein deutliches Bild vom Menschen: Wir werden nicht als Kinder Gottes geboren, nur weil wir Menschen sind. Von Natur aus gehören wir zur gefallenen Menschheit – zu Adam. Erst durch Jesus Christus geschieht etwas grundlegend Neues.

Paulus schreibt:

„Auch wir alle lebten einst unter ihnen in den Begierden unseres Fleisches und taten den Willen des Fleisches und der Gedanken und waren von Natur Kinder des Zorns, wie auch die anderen.“
Epheser 2,3

Diese Worte klingen hart. Doch sie zeigen zunächst nicht auf „die anderen“, sondern auf uns alle. Paulus sagt: Auch wir waren so.

Genau hier beginnt das Evangelium.

Die Abstammung Adams – der alte Mensch

Seit dem Sündenfall trägt die Menschheit die Folgen der Trennung von Gott. Adam steht in der Bibel gewissermassen für die alte, gefallene Menschheit.

„Denn wie in Adam alle sterben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht werden.“
1. Korinther 15,22

In Adam begegnen uns Sünde, Vergänglichkeit und Tod. Der Mensch kann durchaus Gutes tun, lieben, helfen und Mitgefühl zeigen. Dennoch kann er sich aus eigener Kraft nicht selbst geistlich neu erschaffen oder seine Trennung von Gott überwinden.

Darum braucht der Mensch nicht bloss bessere Regeln oder ein moralischeres Leben. Er braucht neues Leben.

In Christus beginnt etwas Neues

Jesus kam nicht nur, um unsere einzelnen Fehler auszubessern. Er kam, um uns mit Gott zu versöhnen und uns neues Leben zu schenken.

„Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen; siehe, Neues ist geworden.“
2. Korinther 5,17

Durch Umkehr, Glauben und das Wirken des Heiligen Geistes beginnt eine neue Identität. Jesus spricht sogar davon, dass der Mensch von Neuem geboren werden muss (Johannes 3,3–6).

Der Heilige Geist verändert dabei nicht nur unser äusseres Verhalten. Er beginnt beim Herzen.

Unsere Wünsche, Entscheidungen, Prioritäten und unser Umgang mit anderen werden Stück für Stück verändert.

Das bedeutet nicht, dass ein Kind Gottes plötzlich sündlos ist. Auch Christen können fallen, versagen, ungerecht handeln und alte Verhaltensweisen zeigen. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass Gottes Geist in ihnen wirkt und sie immer wieder zu Wahrheit, Umkehr und Veränderung führt.

Erkennt man Kinder Gottes an ihrem Verhalten?

Jesus selbst spricht davon, Menschen an ihren Früchten zu erkennen:

„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.“
Matthäus 7,16

Auch Paulus beschreibt die Frucht des Geistes:

Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.
(Galater 5,22–23)

Diese Früchte sind keine Eintrittskarte zu Gott. Wir werden nicht gerettet, weil wir genügend gute Früchte hervorbringen.

Die Reihenfolge ist umgekehrt:

Gnade → neues Leben → Frucht.

Die Frucht ist die Folge davon, dass Christus in einem Menschen wirkt.

Deshalb sollten wir vorsichtig damit sein, aufgrund einzelner Fehler endgültig zu entscheiden, wer zu Gott gehört und wer nicht. Gott allein kennt das Herz vollkommen. Gleichzeitig lehrt die Bibel aber auch, dass echter Glaube auf Dauer nicht völlig ohne sichtbare Auswirkungen bleiben kann.

Was erwarten wir von „Kindern des Zorns“?

Hier wird es für unseren Alltag besonders wichtig.

Manchmal erwarten wir von Menschen, die Christus nicht kennen, dass sie nach den Massstäben Christi leben.

Wir erwarten Vergebung, Selbstlosigkeit, Reinheit, Demut, Feindesliebe, Wahrheit und geistliche Einsicht – und sind enttäuscht, wenn wir stattdessen Egoismus, Stolz, Unversöhnlichkeit oder andere sündhafte Verhaltensweisen erleben.

Doch warum erwarten wir geistliche Frucht, wo der Heilige Geist möglicherweise noch gar nicht Wohnung genommen hat?

Das bedeutet nicht, dass wir schlechtes Verhalten gutheissen müssen. Unrecht bleibt Unrecht. Wir dürfen Grenzen setzen, Wahrheit aussprechen und Menschen für ihr Handeln verantwortlich machen.

Aber unsere Haltung verändert sich.

Statt nur zu fragen:

„Warum verhält sich dieser Mensch so?“

können wir erkennen:

Dieser Mensch braucht Christus genauso, wie ich Christus brauche.

Das schützt uns vor Überheblichkeit. Denn auch wir waren einmal „Kinder des Zorns“. Unsere neue Stellung vor Gott haben wir nicht verdient.

„Aber Gott, der reich ist an Barmherzigkeit, hat um seiner grossen Liebe willen, mit der er uns geliebt hat, auch uns, die wir tot waren durch die Übertretungen, mit Christus lebendig gemacht.“
Epheser 2,4–5

Das Wort „aber Gott“ verändert alles.

Und was dürfen wir von Kindern Gottes erwarten?

Von einem Menschen, der Christus nachfolgt, dürfen wir nicht Perfektion erwarten – aber Veränderungsbereitschaft.

Ein Kind Gottes wird weiterhin Fehler machen. Aber Sünde sollte nicht einfach gleichgültig werden.

Wo der Heilige Geist wirkt, sollte mit der Zeit etwas sichtbar werden:

  • Bereitschaft zur Umkehr
  • Vergebung statt dauerhafter Bitterkeit
  • Wahrheit statt bewusster Täuschung
  • Demut statt ständiger Selbstrechtfertigung
  • Liebe auch dann, wenn sie etwas kostet
  • zunehmende Selbstbeherrschung
  • Bereitschaft, sich von Gott korrigieren zu lassen
  • Hunger nach Gottes Wort und seinem Willen

Johannes schreibt:

„Daran sind die Kinder Gottes und die Kinder des Teufels offenbar: Jeder, der nicht Gerechtigkeit übt, ist nicht aus Gott, ebenso wer seinen Bruder nicht liebt.“
1. Johannes 3,10

Auch diese Stelle dürfen wir nicht so verstehen, als würde ein einzelner Fehler beweisen, dass jemand kein Christ ist. Johannes beschreibt vielmehr eine Lebensrichtung.

Die Frage lautet nicht:
„Hat dieser Mensch jemals gesündigt?“

Sondern vielmehr:
„Welche Richtung bestimmt sein Leben – und was geschieht, wenn seine Sünde ans Licht kommt?“

Rechtfertigt er sie dauerhaft? Oder führt Gottes Geist ihn zur Umkehr?

Wir brauchen unterschiedliche Erwartungen – aber dieselbe Liebe

Vielleicht liegt genau hier eine wichtige Lektion.

Von Menschen ohne Christus können wir nicht dieselbe geistliche Frucht erwarten wie von Menschen, in denen der Heilige Geist wirkt.

Doch wir dürfen sie lieben.

Wir dürfen für sie beten.

Wir dürfen ihnen Wahrheit sagen.

Wir dürfen ihnen Christus zeigen.

Und von Menschen, die sich Kinder Gottes nennen – auch von uns selbst –, dürfen wir erwarten, dass der Glaube nicht nur aus Worten besteht.

Nicht Vollkommenheit.

Aber Frucht.

Nicht Sündlosigkeit.

Aber Umkehr.

Nicht Selbstgerechtigkeit.

Aber ein Herz, das sich immer wieder Christus unterordnet.

Denn letztlich besteht der Unterschied zwischen dem alten und dem neuen Menschen nicht darin, dass der eine „schlecht“ und der andere aus eigener Kraft „gut“ geworden wäre.

Der Unterschied ist Jesus Christus.

Wir alle stammen von Adam. Wir alle brauchen Erlösung. Und nur durch Christus können wir zu dem neuen Leben finden, das Gott für uns vorgesehen hat.

„Denn ihr alle seid durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus.“
Galater 3,26

Darum sollten wir niemals auf die „Kinder des Zorns“ herabschauen.

Wir sollten uns vielmehr daran erinnern:

Auch wir waren einst dort.

Und wenn heute etwas Neues in uns lebt, dann nicht, weil wir besser waren – sondern weil Gott barmherzig war.

Schlussgedanke

Von der Welt dürfen wir nicht die Frucht des Geistes verlangen. Von Kindern Gottes dürfen wir jedoch erwarten, dass der Heilige Geist ihr Leben zunehmend prägt. Und gegenüber beiden gilt: Wahrheit ohne Hochmut, klare Grenzen ohne Hass und Liebe ohne die Sünde schönzureden.