Das „Innere Kind“

Das „Innere Kind“ ist ein symbolischer Ausdruck für den Teil unserer Psyche, in dem unsere tieferen Empfindungen, sowie unsere Vergangenheit wohnen. Es beeinflusst maßgeblich unseren Alltag, seine Gefühle und das Wohlsein.

Beispielsweise blickt jemand tief in Gedanken über seine Arbeit aus dem Fenster, und plötzlich bemerkt das Innere Kind, ein Schmetterling welcher mit seiner lieblichen Leichtigkeit vorbei fliegt und man erinnert sich dabei an Sommertage in der Kindheit. Und das Resultat: man fühlt sich plötzlich glücklich!

Ein anderer ist grade bei seiner Arbeit innerlich verquer (d. h. sein Inneres Kind hat schlichtweg keine Lust mehr, weil es früher öfters gezwungen wurde), aber es wird beiseitegeschoben, denn „Arbeit ist Arbeit!“. Ein solcher Kontaktabbruch zum Inneren Kind kann zwar versucht werden, aber das Innere Kind wird sich wehren, um doch noch vielleicht bemerkt zu werden. Und als Resultat dieses – unterbewussten – inneren Ringens mit sich selber ist der Betreffende abends ausgelaugt, denn solche innerlichen Kämpfe fressen enorm viel seelische Energie. Hingegen hätten vielleicht wenige Sekunden an Verbundenheit in Form eines kurzen Einfühlens in sich selber genügt, die inneren Kräfte wieder fließen zu lassen. Dann hätte er seine Arbeit sogar vielleicht noch beschwingter fortsetzen können!

Sehr häufig mischt das Innere Kind auch bei Beziehungsstress mitunter sehr kräftig mit. Oder wie ist es sonst zu erklären, wenn sich ganz erwachsene Menschen (die sich ja eigentlich lieben!) mitunter vehement bekämpfen? Schon die Wortwahl ist dann auffällig, z. B.: „Wenn du dich so verhältst, dann mache ich das ebenso!“ „Wieso? Du hast doch eben genau so…!“ – ein wütendes, trotzendes Kind ist hier kaum zu übersehen.
Ähnliches gilt z. B. bei übergroßen Ängsten, nie enden wollendem Schmerz oder übergroßer Wut. Dann ist immer das Innere Kind mit im Spiel – es werden vergangene Gefühlserfahrungen mit beigemischt.

Ich kann lernen, aus dem Inneren Kind Kraft, Kreativität und überfließende Lebensfreude zu schöpfen. Dann gilt der Ausspruch von Erich Kästner: „Nur, wer erwachsen wird und Kind bleibt, ist ein Mensch.“ – Oder man ignoriert es, schneidet sich damit ab von der eigenen Lebendigkeit, kann als Folge davon energielos, depressiv, zwanghaft, ruhelos, süchtig, … , und seinen inneren Gefühlen ausgeliefert werden.
Diese Abgeschnittenheit von der eigenen Lebendigkeit – vom Inneren Kind – ist vermutlich bei den meisten Menschen die Regel. Das Innere Kind wird also schon gewohnheitsmäßig ins Unterbewusste verdrängt. So dass man oft eine Art Schreck erlebt, wenn man die dann entstandene Unlebendigkeit zum ersten Mal bemerkt, wie es z.B. Eugen Roth in seiner prägnanten Weise ausdrückt:

„Ein Mensch schaut in der Straßenbahn
der Reihe nach die Menschen an:
Jäh ist er zum Verzicht bereit
auf jede Art „Unsterblichkeit.“

(Wohl weil der Mensch „zum ersten Mal“ klar sieht, dass die meisten Gesichter seiner Mitmenschen unlebendig sind. Und damit sind sie eine Art Spiegel für sein eigenes Gesicht!)

Durch das Abgeschnitten sein können sich manchmal sogar psychosomatische Symptome entwickeln –denn:
Was würden Sie tun, wenn Sie in einer lebenswichtigen Angelegenheit nicht gehört werden? Sie würden sich sicherlich immer vehementer bemerkbar machen wollen, z. B. mit Fäusten an die Tür hämmern, damit Ihre Nachricht endlich beachtet wird.
So auch das Innere Kind – es „hämmert“ dann durch Symptome „an die Tür“ unseres Bewusstseins, z. B. durch unbegründet scheinende starke Gefühle (beispielsweise durch Ängste), oder durch Körpersymptome. Damit wir es endlich hören, damit es endlich beachtet wird – und uns endlich beschenken kann!

Oder etwas sanfter: wenn man sich von seinem Inneren Kind abgeschnitten hat, erkennt man es oft unbewusst irgendwo im Außen wieder. So weinen z. B. viele Menschen bei rührseligen Filmen (sonst vielleicht nie. Aber nun „darf“ sich das Innere Kind mit seinen Gefühlen mal zeigen.). Oder man sieht schnell immer das Leiden anderer Menschen, anderer Innerer Kinder (und das sollte ein Spiegel sein für einen selbst: sehe ich mein Inneres Kind?) – Sehr oft wird auch das eigene Innere Kind auf die eigenen leiblichen Kinder projiziert. Streit zwischen den Eltern über Erziehungsfragen würde dann eigentlich bedeuten: „Wie gehst du mit meinem Inneren Kind um?“ – Und bei kinderlosen Paaren, die sich unbedingt ein Kind wünschen und alles für eine Schwangerschaft tun, ist dieser Wunsch, ein Kind zu bekommen, erfahrungsgemäß fast immer auch gekoppelt mit dem unbewussten Wunsch, liebevollen Kontakt zu seinem Inneren Kind zu bekommen.

Dass unsere Psyche verschiedene „Teile“ hat, ist Alltagserfahrung. Oft drücken wir das z. B. so aus: „Mein Verstand sagt mir …, aber mein Gefühl sagt was anderes. Oder, wie Goethe es formulierte: „Zwei Seelen, ach, in meiner Brust!“
Viele Menschen kennen solch innere Gedanken, ja sogar innere Dialoge. Manche sorgen sich allerdings, ob dies auf eine gespaltene Persönlichkeit hinweisen würde – aber es geht um normale innere Prozesse. Und da klingt es einleuchtend, dass möglichst alle diese Teile in eine Richtung streben sollten. Denn nur dann sind wir mit uns „eins“, fühlen uns „ganz“, und müssen nicht teilweise gegen uns selbst kämpfen.
Um (wieder) zu dieser Einheit mit sich selbst zu kommen, müssen aber oft besondere „Umgangsmöglichkeiten“ mit diesem Teil der Psyche erlernt werden. Denn sicher hat jeder schon die Erfahrung gemacht: das Innere Kind unterliegt nicht unserer Willenskraft, sondern hat eine Eigengesetzlichkeit.
Das Modell des „Inneren Kindes“ beschreibt verschiedene Wege, um mit sich selbst heilvoll umzugehen und zu dieser „Einheit“ oder „Aussöhnung“ zu kommen.

In einer Therapie des Inneren Kindes wird angeleitet, wie man mit solchen mitunter irrational vehementen Gefühlen hilfreich umgehen kann. Und wenn die o.g. 80% der problematischen Gefühle aus der Paarbeziehung herausgenommen sind, dann sind die meisten Probleme fast schon gelöst!

Wege zur Heilung des Inneren Kindes

Heilung entsteht, wenn wir uns auch mit diesem Teil der Psyche, mit dem Inneren Kind, wieder anfreunden und mit ihm in selbstverständlichem liebevollen Kontakt bleiben.
Zum Anfreunden braucht es vor allem erst einmal Zeit. Zeit mit dem Inneren Kind – d. h. Zeit für sich selbst. Dabei wird es dann im Wesentlichen um zwei Bereiche gehen:
a) um das gegenwärtige Innere Kind,
b)um das Innere Kind, das sich gerade an seine Vergangenheit erinnert.

zu a): Manchmal muss man es erst wieder herausfinden lernen, manchmal weiß man es schon: was will ich? Was brauche ich im Moment „wirklich“? Z. B.: Nichtstun? Lesen? Spaziergang? Gesellschaft?
Es geht um die momentanen sowie um die längerfristigen wahren Bedürfnisse. Diese muss man meistens erst wieder entdecken lernen – und auch unterscheiden lernen, z. B. von Bedürfnissen, die unbewusst eher dazu dienen, dass meine Erinnerungen an schmerzhafte vergangene Situationen eher verdrängt werden. Beispielsweise kann mir der Wunsch nach Schokolade kommen. Und wenn ich ihn erfülle, kann ich mich durchaus ganz gut fühlen – aber überdecken damit Gefühle, die mir das Innere Kind der Vergangenheit eigentlich gerade hätte zeigen wollen. Ich habe die Gefühle – unbewusst und langjährig „geübt“ – malso verdrängt, abgewehrt. Habe damit mein Inneres Kind abgewehrt, missachtet!

zu b): „Erinnern an die Vergangenheit“ bedeutet beim Inneren Kind zumeist, dass Gefühle sich melden. Diese können sich auf uralte Erlebnisse beziehen, die ich vielleicht schon längst „abgehakt“ wähnte. Oder es kommen mitunter auch nur Gefühle ohne konkrete Erinnerung an frühere Ereignisse, weil diese selbst im Unterbewusstsein bleiben.
Sich mit diesem Inneren Kind anzufreunden bedeutet dann, dass ich diese Gefühle zulasse, sie also fühle und dabei annehme. Denn das Schlimmste für ein Kind ist weniger, etwas Traumatisches erlebt zu haben, als vielmehr: damit allein gelassen zu sein. Niemanden zu haben, der „mit“-fühlt.
Und dadurch, dass nun endlich jemand mit fühlt (nämlich der „Erwachsene“), geschieht Heilung.

 

Gewisse Textausschnitte und Passagen aus: http://www.beziehungsheilung.de

Spirituelles

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